Unsere Welt, unser Leben und unser Alltag sind vom Internet durchdrungen. Die globale Vernetzung ist weit vorangeschritten, doch längst noch nicht zum Ende gekommen. Die daraus folgenden Veränderungen haben nicht nur unsere Welt, sondern auch unsere Sicht auf die Welt verändert.

Wir sind nicht mehr nur Leser, Hörer oder Zuschauer eines Mediums, sondern werden mit den partizipativen Möglichkeiten des Netzes selbst zu Produzenten. So trägt das Internet zur Selbstermächtigung des Einzelnen bei. Die individuellen Möglichkeiten zur Interaktion und Partizipation sind niederschwelliger geworden.

Damit einher geht ein Wandel der Erwartungen an viele weitere Aspekte des Lebens. Bürger*innen wollen in politischen Entscheidungen gefragt und gehört werden. Es bilden sich Gemeinschaften und Communities um ganz neue Interessen, Fragestellungen und Projekte.

Genauso sieht sich die Veranstaltungsbranche diesem Wandel der Erwartungen gegenüber. Die Interaktion zwischen den Veranstalter*innen, Partner*innen, Sprecher*innen und Besucher*innen steht heute viel stärker im Fokus. Die Teilnehmer*innen wollen über Themen mitbestimmen, in den direkten Austausch gehen und selbst zum Gelingen der Veranstaltung beitragen. Sie wollen ein Teil der Veranstaltung werden.

Umso wichtiger ist es für Veranstalter*innen, diese Erwartungen zu adressieren und zusammen mit Partnern und Interessierten in den Dialog zu gehen und die eigenen Veranstaltungen interaktiver und erlebnisreicher zu gestalten.

Diesem Ruf nach mehr Partizipation versucht die re:publica seit 13 Jahren nachzukommen. Die re:publica ist eine der bekanntesten Konferenzen zu den Themen Internet und digitalen Gesellschaft in Europa. Seit ihrer ersten Veranstaltung 2007 sind Partner*innen und Teilnehmer*innen ein integraler Teil bei der Durchführung der Konferenz.

Zentrales Ziel der re:publica ist es, die Konferenz nicht nur bestmöglich für die Teilnehmer*innen zu gestalten, sondern allen die Chance zu geben sie mitzugestalten. Eine Maßnahme dafür ist der „Call for Participation“. Hier werden alle Interessierten dazu aufgerufen, eigene Beiträge – Vorträge, Workshops oder Diskussionen – einzureichen. Circa 50 % des Hauptprogramms werden aus dem Call for Participation besetzt.

Darüber hinaus werden Kooperationspartner in die Veranstaltungsgestaltung eingebunden. Für jede Kooperation werden dabei in enger Abstimmung die inhaltlichen und praktischen Beiträge gemeinsam erarbeitet. Da die Konferenz sich nicht als „Marketingveranstaltung mit dem üblichen Anteil an Produktpräsentationen und Verkaufsgesprächen“ versteht, gibt es auch keine klassischen Stände auf dem Veranstaltungsgelände.

Mit der Ausgestaltung und Nutzung des Veranstaltungsgeländes wird der Community auf besonderer Weise gedacht. Networking und Meetup Spaces sowie eine Community Stage bieten Raum für Lightning Talks und den Austausch über die Themen der Konferenz. Zusätzlich kann je nach Jahresmotto die Umsetzung dessen weitere partizipative Elemente in die Veranstaltungsarchitektur vor Ort bringen.

Nicht zu vergessen ist der jährliche Support durch die „Helping Hands“. Helping Hands sind freiwillige Helfer*innen, die das Team bei der Umsetzung der Veranstaltung unterstützen. Für den freien Konferenzeintritt übernehmen sie einen Tag lang Aufgaben zum Beispiel beim Aufbau, bei der Akkreditierung oder Betreuung der Bühnen. Nicht selten finden sich unter den Helping Hands auch Teilnehmer*innen der vorangegangenen Jahre, die wiederum zum Gelingen der Veranstaltung beitragen wollen.

Von allen Partner*innen und Teilnehmer*innen werden die Helping Hand als wichtiger Teil der re:publica anerkannt und geschätzt. Deshalb sind die vielen Helfer*innen deutlich sichtbar auf der Konferenz vertreten und Teil der Danksagung am letzten Tag der Konferenz.

Seit Jahren schätzt die re:publica ihre Community und lässt ihnen ihre Wertschätzung zuteil werden, indem sie jährlich ihren Platz innerhalb der Konferenz bekommt. Eine solch hohe Beteiligung der Community lässt sich nur durch ein ganzheitliches Konzept erreichen. Dabei ist die Gemeinschaft alles andere als homogen. Sie ist so divers wie unsere Gesellschaft, was die re:publica zu einer Gesellschaftskonferenz macht.

Genauso wie jährlich die aktuellen Entwicklungen in Politik, Kultur und Gesellschaft Eingang in die Gestaltung und das Programm der re:publica Eingang finden, sehen sich die Veranstalter*innen der Konferenz in diesem Jahr neuen Herausforderungen gegenüber. Während der Klimawandel und seine Dringlichkeit als Themenschwerpunkt und Motto der re:publica 2020 gewählt wurden, kommt jetzt eine ganz andere dringliche Herausforderung hinzu: die Pandemie von COVID-19.

Sie zwingt nicht nur die Veranstalter*innen der re:publica zum Verschieben der geplanten Events, sondern eine ganze Branche zum Umdenken: Wie lassen sich Events, Festivals und Konferenzen digital abbilden und umsetzen? Um das herauszufinden tritt die re:publica in den Dialog mit ihrer Community, um gemeinsam nach innovativen Ideen und Lösungen im digitalen Exil zu suchen.

Offen bleibt die Frage, wie sich diese Ausnahmesituation auf die nächsten Jahre und Ausgaben der re:publica auswirken werden. Wie wird sich die re:publica 2022 im Vergleich zu 2019 verändern? Wie wird sie stattfinden, wie wird sie sich anfühlen?

Auch die zukünftigen Ausgaben der re:publica werden ihre Zielgruppen, Themenschwerpunkte und Gestaltungsspielräume stetig weiterentwickeln und ausbauen, um den Ansprüchen der Teilnehmer*innen aber auch den eigenen, der Gründer*innen und des Teams, gerecht werden zu können. Wie sie das in den letzten Jahren geschafft haben, dokumentiert die aktualisierte Fassung des Artikels „Neue Konferenzformate im digitalen Zeitalter am Beispiel der re:publica“ von 2007 bis 2019 ausführlich.