Warum wir eine Hyperloop Strecke von Rostock nach Thessaloniki brauchen.

„Make no small plans“ – Ein Motto der kalifornischen Ideologie könnte nicht treffender sein für die zentrale Fragestellung der Mobilität in Europa. Es gibt keine Antwort auf die Frage, wie wir Menschen und Güter in der Mitte des 21. Jahrhunderts schnell und zuverlässig sowie vor allem emissionsreguliert von A nach B schaffen wollen.

Containerschiffe, LKWs & Luftfracht sind die Transportmittel der Warenmobilität, nicht nur in Europa. Schweröl, Diesel und Kerosin ihre Antriebsmittel. Very old school!

Bevor ihr jetzt erwartet, dass ich eine kritikfreie Hymne auf den Hyperloop singe, dies vorab: Es ist nicht einfach, es gibt Widersprüche und vielleicht Zielkonflikte. Auch geht es mir nicht darum, einem Europapatriotismus das Wort zu reden. Aber ein nachhaltiger Kontinent braucht ein Mobilitätsgrid! Hier ist der Plan:

Mitteleuropa baut seinen eigenen Panamakanal. Es geht um das Rückgrat für ein neues Europa. Von Thessaloniki über Belgrad via Budapest, Wien, Prag, Dresden, Berlin bis nach Rostock wird in einem überschaubaren Zeitraum von 4 bis 5 Jahren eine neue Infrastruktur gebaut, die das Mittelmeer mit der Ostsee verbindet (Ja, es wird bestimmt schnell Abzweigungen in alle Richtungen geben).

Mit einem Schlag gibt es für alle Güter der Containerschiffe, die den Suezkanal aus Asien kommend durchqueren, eine Alternative zur Weiterfahrt quer durch das Mittelmeer, an der gesamten Atlantikküste Europas vorbei bis nach Hamburg, ins Baltikum oder nach Skandinavien. Es gibt bereits die Prototypen für Überseecontainer, die automatisch ins Hyperloop-Format umgepackt werden.

Im gleichen System werden Menschen schneller als mit dem Flugzeug reisen — wir erhalten die erste Hauptlinie einer europäischen Metro. Tagsüber wird das System für Reisende genutzt und in der Nacht für Güter. Von Wien nach Berlin in 35 Minuten ohne zu fliegen, ist nicht unrealistisch. 

Warum sollten Menschen nicht mit nahezu Schallgeschwindigkeit durch eine Röhre reisen wollen, wenn sie heute in 10.000 m Höhe in einem Flugzeug unterwegs sind oder täglich U-Bahn fahren? Was fehlt, ist die Infrastruktur. Und jetzt denkt ihr vielleicht: Alles ganz schön, aber die Kosten! Was ist mit der Umwelt?

Fangen wir mit der “Umwelt” an: Grundsätzlich stellt sich die Frage nach den Antriebstechnologien von Objekten die Personen oder Güter transportieren (sofern die Rahmenbedingungen vorhanden sind wie Flug- und Seehäfen, Straßen oder wie in meinem Beispiel Röhren → über die Ökobilanz dieser Bauwerke sprechen wir an einer anderen Stelle).

Kern der Frage nach dem Antrieb ist wie sich die Technologien im gesamten Ökosystem verhält. Natürlich spielt auch die Menge an Energie eine Rolle die aufgewendet werden muss um Menschen oder Güter zu bewegen.

Geschlossene Systeme, die keinen direkten Verbrennungsprozess zur Energieerzeugung nutzen (Schweröl, Kerosin, Diesel etc.) benötigen Energie z. B. aus klassischen Stromleitungen. Dafür müssen natürlich ausreichende, regenerative Quellen genutzt werden für ein neues zukunftsfähiges System! Aber und hier ist der zentrale Punkte: Durch die kontrollierbare Energieerzeugung für in sich geschlossene Antriebssystem fallen alle Schäden weg die individuell von Flugzeugen, Schiffen oder LKW ausgestoßen werden. Ein gewaltiger Fortschritt.

Now: Money! Ich habe es für euch mal ausgerechnet wieviel eine hyperloop Strecke von der Ostsee zum Mittelmeer kosten würde. 

Für mein Gedankenspiel bietet sich die Strecke Rostock-Thessaloniki ganz gut an. Luftlinie sind das 1.705, auf der Straße 2.110 Kilometer. Wir nehmen mal die Straßenkilometer als Berechnungsgrundlage, also 2.110 km. (ca. 1.310 Meilen)

Etwas schwieriger wird es bei der Frage, was der Bau dieser Röhren kosten würde. Hier gibt es sehr viele unterschiedliche Zahlen. In den USA werden die Distanzen meist in Meilen angegeben und die Kosten in Dollar. Einige Artikel sprechen von: 

[a] 5 Mio. $/Meile (1 Meile = 1,61 km) bedeutet ca. 2,6 Mio €/ km

[b] 20 Mio. $/Meile bedeutet ca. 10,5 Mio € / km für die Baukosten. Da es keine Erfahrungswerte gibt, gehen die Zahlen stark auseinander (Faktor 4!).

[c] Eine Studie über eine Verbindung Chicago – Cleveland – Pittsburgh (ca. 490 Meilen) von Ende 2019 kommt auf eine Summe von 25 Mrd. Dollar für diese Verbindung. Das würde einen Kilometerpreis von ca. 26,9 Mio. € bedeuten. https://www.engadget.com/2019-12-17-hyperloop-tt-chicago-and-pittsburgh-route-plan.html

Damit kommen wir auf drei mögliche Preise für das Bauprojekt Thessaloniki – Rostock: 

[a]  5.5 Mrd. €, [b]  22 Mrd. €, [c] 57 Mrd. €. 

Da alle drei Kalkulationen von sehr unterschiedlichen (mir nicht bekannten) Berechnungsgrundlagen ausgehen, nehme ich hier den Durchschnitt der Drei. Damit komme ich auf knapp 28 Mrd. €.

Zum Vergleich: Die Entwicklung und Anschaffung des „Future Combat Air System“ Kampfflugzeugs wird über 100 Mrd. € kosten. Der Preis für den Panamakanal lag bei 30 Mrd. €! (Quelle: Die Welt).

Sollten diese Zahlen stimmen: Verbindung Mittelmeer & Ostsee für +- 30 Mrd. € = Wann geht es los? Europa braucht mutige Konzepte für Mobilität! Warum nicht auf der Basis der guten alten Rohrpost

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