Staat und Bourgeoisie haben längst alles untereinander aufgeteilt. Zerrieben zwischen den Fronten der Verfechter*innen des „The winner takes it all“ und dem Kontrollwahn der Institutionen fristet der digitalisierte Mensch sein kärgliches Leben.

Digitalen Unternehmen gehört die Stadt und mit jedem weiterem Erfolg wächst ihre Macht. Teilen heißt jetzt „shared“ und ist nichts anderes als zentralisierte Eigentumsüberlassung gegen Entgelt – und das Geld muss man erstmal haben! 

Die digitale Überwachung greift bis in die letzte Mailbox und zur besonderen Belustigung der Massen stehen immer häufiger sprachgesteuerte Geräte an privaten Orten, die als akustischer Kollateralschaden die Lebenswelten der Bürger*innen aushorchen.

Bis zur Singularität scheint es nur noch ein Katzensprung durch den Quantencomputer. Fast wünscht man sich diesen Zeitpunkt herbei, an dem nicht mehr Staat und Geld die Gewalt über die digitalen Infrastrukturen haben, sondern die Maschinen selbst. Ungleichheit und staatliche Kontrolle scheinen unüberwindbar – außer durch die gleichmachende Technologie selbst.

Ein famoser Gedanke! Nicht „Es rettet uns kein höh’res Wesen, kein Gott, kein Kaiser noch Tribun“, sondern die Hoffnung auf den digitalen jüngsten Tag, an dem die Maschine die menschliche Denkleistung überholt und somit die geketteten Massen errettet.

Noch leuchten weiterhin zwischen den blinkenden Angeboten der digitalen Normalwelt Leuchttürme der Hoffnung auf, die der Emanzipation und Selbstbestimmung des Menschen den Weg weisen könnten. Doch in welche Richtung?

Die Hoffnung auf eine globale Gesellschaft, die unabhängig von Monopolen und Staaten – sicher, fair und nachhaltig – auf den besten Technologien aufgebaut ist, schlummert in jeder*m Müden und Geknechteten. Auch wenn sie vielleicht nie bei jeder*m Einzelnen das Licht der Welt erblicken wird. 

Noch können Gesellschaften potenziell frei entscheiden, auf welcher Basis sie ihre Zukunft aufbauen wollen. Eine neue Aufklärung benötigt dafür jedoch Orte und Strukturen, die sich nicht selber erschaffen und auch nicht einfach so bereitgestellt werden. 

So lange bleibt nur: Tribun ist ein toller Name für die technologische Herrschaft nach der Singularität.

Hintergrund: Ende letzten Jahres wurde ich vom Magazin der Berliner Einstein Stiftung „Albert“ (Ausgabe Digitale Zukunft) angefragt, eine Glosse für die letzte Seite zu schreiben. Das hat mich natürlich sehr gefreut. Ich schreibe gerne auch Mal kostenlose Artikel.

Eine Glosse über die „Digitale Zukunft“ ist aber, wie ich festgestellt habe, nicht so einfach zu schreiben. Nach vielen Ansätzen und Stunden von Arbeit hatte ich dann einen Text, der mir angemessen erschien und den ich auch heute noch gut finde.

Leider wurde meine Glosse für das aktuelle „Albert“ Magazin nicht angenommen. Begründung: „Vom Tenor her [zu] negativ für unsere letzte Seite, auch wenn wir ihn ansonsten gerne gelesen haben.“ Ich hatte vor der Absage meinem Ansprechpartner bei dem Heft schon gesagt, dass ich es ihnen nicht „Krumm“ nehmen würde, wenn sie die Glosse nicht haben wollen. Die Begründung hat mich trotzdem überrascht. Daher veröffentliche ich den Text nun hier und freue mich über Feedback.

Bildnachweis:  Alan Levine (CC BY 2.0)